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Federn (lat.
Pennae, Singular
Penna) sind auf der Außenhaut der Vögel wachsende Gebilde
aus Keratin, die die wesentliche äußere Hülle, das Gefieder oder
Federkleid, bilden. Federn schützen die Vögel einerseits vor Wasser
und Kälte und statten sie andererseits mit Farben aus, die sowohl
zur Tarnung gegen Feinde, als auch als Mittel der visuellen Kommunikation
dienen. Hinzu kommt die feste Kontur, die sie dem Vogel verleihen,
und natürlich auch die Möglichkeit des Fluges. Obgleich eine einzelne
Feder von äußerst geringem Gewicht ist, wiegt das Gefieder eines
Vogels zwei oder dreimal mehr als sein Skelett.
Verteilung
Auch wenn es von außen nicht auf den ersten Blick deutlich
wird: Körperfedern sind nicht gleichmäßig auf dem
Körper verteilt. Man unterscheidet:
- Federraine (Apteriae): Bezirke ohne Körperfedern
- Federflure (Pterylae): Bezirke mit Körperfedern
Federtypen
Es gibt zwei grundsätzliche Arten der Federn, die sich im
Bau unterscheiden. Dies sind zum einen die Konturfedern, die das
Äußere des Körpers umfassen, sowie die unter den
Deckfedern befindlichen Unterfedern (auch Daunen oder Dunen), die
als wärmedämmende Schicht wirken.
Die Konturfedern (Pennae conturae) werden funktionell
weiter unterteilt in:
- Körperfedern (Pennae conturae generales):
Deckfedern des Rumpfes
- Schwungfedern (Remiges): bilden die eigentliche
Tragfläche, an Hand und Unterarm
-
Handschwingen (Remiges primariae):
an den Finger- und Mittelhandknochen des Flügels
- Armschwingen (Remiges secundariae): am "Unterarm"
des Flügels
- Schirmfedern (Remiges tertiariae): innerste
Armschwingen am "Ellenbogengelenk"
- Carpal-Remex: zusätzliche kleine Armschwinge am Carpalgelenk
(bei manchen Arten)
- Daumenfittich (Alula):
am Daumen
- Deckfedern (Tectrices): übrige Federn am
Flügel
- Steuerfedern (Rectrices): Schwanzfedern
Die Dunen (Plumae) bilden das Unterkleid, bei einigen
Vögeln (z.B. Laufvögel) sind sie nicht vorhanden. Die Nestlingsdunen,
das Federkleid der Jungvögel, sind keine echten Dunen, sondern
modifizierte Konturfedern.
Neben diesen beiden Grundtypen gibt es noch verschiedene Spezialfedern:
- Halbdunen (Semiplumae): entlang Rainränder,
stehen im Bau zwischen Konturfedern und Dunen
- Fadenfedern (Filoplumae): ihre Follikel sind gut
innerviert, sie dienen der Propriozeption der Federstellung (fehlen
den Straußenvögeln und Kasuaren)
- Borstenfedern (Setae): ersetzen die Augenwimpern
- Puderfedern (Pulviplumae): bei einigen Vögeln
(z.B. Tauben, Wasservögel) produzieren einen feinen, wasserabweisenden
Staub aus Keratingranula
Bau der Vogelfeder
Deckfedern
Die Deckfedern bestehen aus einem langen und festen Federkiel
(Scapus) sowie einer Federfahne (Vexillum).
Der Kiel wird weiter unterteilt in den Federschaft (Rachis)
und die Federspule (Calamus). An der Spule gibt es
zwei Öffnungen: ein oberer Nabel (Umbilicus superior)
und ein unterer Nabel (Umbilicus inferior).
Vom Federschaft gehen nach vorn und hinten Federäste (Barbae
oder Rami) aus, von welchen jeweils wieder Bogenstrahlen
(Barbulae proximales) und Hakenstrahlen (Barbulae
distales) entspringen. An den Hakenstrahlen sitzen feine
Häkchen, die sich mit den Bogenstrahlen des benachbarten Federastes
verhaken und somit die notwendige Steifheit und Festigkeit der Federfahne
herstellen.
übrige Federn
Die Daunen haben nur einen kurzen Schaft und büschelartige
Äste (Dunenäste oder Dunenstrahlen), die nicht miteinander
verhakt sind, so dass keine Federfahne ausgebildet wird.
Die Spezialfedern besitzen nur einen Schaft und ein Büschel
kurzer, nicht verzahnter Äste.
Entwicklung der Vogelfeder
Federn entwickeln sich aus so genannten Haarfollikeln, das sind
röhrenförmige Einsenkungen der Haut. An diesen Stellen
wächst zunächst ein langer Hohlstab aus verhornenden Hautzellen,
den Keratocyten. Dieser Stab ist oben geschlossen, die Federäste
liegen zu dem Zeitpunkt noch innerhalb des Stabes. Der Hohlstab
bildet die spätere basale Scheide der Feder, die den unteren
Teil der Rachis mit Seitenästen sowie die gut durchblutete
Bildungszone enthält.
Die Feder wird bereits hier in der typischen Form mit einem Schaft
und den Seitenästen gebildet, wobei allerdings erst spiralig
die Seitenäste am Rand der Bildungszone (Epidermalkrage) gebildet
werden und diese danach zentral zum Schaft verschmelzen. Beim Wachstum
wird der obere Bereich der Feder von unten kommend vorwärts
geschoben, indem sich unten die neuen Teile der Feder bilden.
Die genetische Steuerung der Ausbildung der Federn erfolgt durch
zwei Gene, die bei Wirbeltieren allgemein als Signalgeber für
das Wachstum von Gliedmaßen, Fingern und Hautstrukturen wirken.
Dabei handelt es sich um die Gene Shh (Sonic hedgehog) und Bmp2
(Bone morphogenetic protein 2) sowie die dazugehörenden Proteine.
Shh regt dabei die Zellteilung der Keratocyten an, während
Bmp2 die Differenzierung der Zellen steuert und die Regulation des
Wachstums übernimmt. Durch die Konzentrationsverteilung der
beiden Proteine wird außerdem die Ober- und die Unterseite
der Feder festgelegt.
Federn werden regelmäßig erneuert in der Periode der
Mauser. Während der Mauser wachsen neue Federn durch die gleichen
Poren, aus denen die alten ausgefallen waren.
Evolution der Vogelfeder
Die verbreitete Ansicht, dass Federn eine Weiterentwicklung der
Reptilienschuppen sind, ist durch die Erkenntnisse der letzten Jahre
revidiert worden. Heute weiß man, dass es sich bei der Feder,
wie auch bei dem Haarkleid der Säugetiere, um eine eigenständige
Entwicklung handelt, die mit den Schuppen der Reptilien nicht homolog
ist.
Die Evolution der Vogelfeder fand wahrscheinlich in mehreren Schritten
statt. Fossile Federn geben darüber allerdings keinen Aufschluss,
da die wenigen fossilen Zeugnisse von Federn bereits sehr weit entwickelte
Vogelfedern zeigen. So besaß etwa der Urvogel Archaeopteryx
bereits Deckfedern, die denen der heutigen Vögel entsprechen.
Trotzdem ist anzunehmen, dass eine solch komplexe Struktur nicht
mit einem Mal entstanden sein kann und die Fossilfunde gefiederter
Dinosaurier wie etwa dem Caudipteryx oder dem Sinornithosaurus bestätigen
diese Theorie.
So entstand die Vogelfeder nach Ansicht von Richard O. Prum und
Alan H. Brush im Laufe der Evolution über mehrere Schritte:
- Die ersten Federn waren wahrscheinlich Hohlstäbe, die auch
den ersten Schritt in der Entwicklung heutiger Federn darstellen.
Diese Vorstufen der Federn werden bereits bei einer Reihe von
Dinosauriern, die der Gruppe der Theropoden (aus denen sich später
auch die Vögel entwickelten) angehören, angenommen und
konnten bei dem Fund des Sinosauropteryx auch nachgewiesen werden.
Diese Hohlnadeln entstanden zusammen mit dem Epidermalkragen
- Die nächste Stufe stellt eine Büschelfedern dar, die
der heutigen Daune ähnelt, aber die Nebenäste auf den
Vezweigungen noch nicht ausgebildet hat. Einher mit der Evolution
dieses Typs geht die Differenzierung des Epidermalkragens.
- Im dritten Stadium wird eine Trennung der beiden Federtypen
angenommen. So soll hier die Deckfeder mit dem Federschaft entstanden
sein, die aber noch keine verhakten Nebenstrahlen aufweist, außerdem
die mit Nebenstrahlen versehene Daunenfeder, die noch heute zu
finden ist. In Kombination der beiden könnte bereits die
erste Deckfeder mit Nebenstrahlen entstanden sein.
- Im vorletzten Stadium entstand die Deckfeder mit der ineinander
verzahnten Fahne. Diese war im Gegensatz zu heutigen Federn symmetrisch
aufgebaut und entspricht den heutigen Konturfedern des Gefieders.
Diese Feder konnte bei den Theropoden Caudipteryx und Sinornithosaurus
gefunden werden.
- Im letzten Schritt entstand die asymmetrische Flugfeder, die
den aktiven Flug ermöglichte und den Federn der Flügel
heutiger Vögel entspricht. Diese Feder besaß bereits
der Archäopteryx
Literatur
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